Die Baronin zog sich bereits zum dritten Mal um und war gerade dabei das vierte Kleid aus dem Schrank zu holen als ihr Mann rief: „Liebchen! Wir warten!“

Sieben Hüte lagen schon auf dem Bett, vier Paar Schuhe und acht Handtaschen.

„Jaaa! Ich komme! Ich komme schon!“

Der Baron verschränkte seine Hände hinter dem Rücken und spazierte hin und her den Flur entlang.

Ina und Valentin warteten ebenso und langweilten sich auf dem Sofa.

„Da bin ich!“ rief Baronin fröhlich und lief die Treppe runter. „Voilà! Wollen wir?“

„Du siehst zauberhaft aus!“ lobte Baron seine Frau und küsste ihre Hand.

Ina sagte nichts. Ein rotes Seidenkleid und Schuhe mit Absatz waren vielleicht nicht das beste Outfit für eine Erdbeerernte. Jeder muss es selber wissen. Ehrlich gesagt – sie wollte einfach endlich fahren.

Bewaffnet mit großen und kleinen Körben stiegen alle in den großen, weißen Kastenwagen „Reparaturen aller Art“ ein und fuhren aufs Land.

„Ich bin so aufgeregt! Selberpflücken! Frische Luft! Natur!“ plapperte die Baronin pausenlos.

„Das wird sicherlich lustig“ dachte Valentin.

„Aaa, da ist der Bauernhof schon!“ Die Werbung war nicht zu übersehen – die rote Säule begrüßte sie schon am Ortseingang.

Die Baronin stieg aus und merkte sofort, wie ihre Absätze in der weichen Erde versanken.

„O!“ Sagte sie nur leicht verwundert und versuchte den restlichen Weg auf Zehenspitzen zu laufen.

„Schaut euch das mal an! Sooo viele Erdbeeren!“ Ina freute sich schon auf die Ernte.

Onkel von Nichtstun pflückte die erste Frucht.

Fragraria meine Lieben, gilt seit Jahrtausenden als ein Symbol für Anmut und Schönheit, Verlockung und Verführung und hat es sogar in die Literatur geschafft!“ erzählte er und steckte sich die Erdbeere genüsslich in den Mund.

„Nicht dass der Bauer uns vorher und nachher wiegen muss!“ scherzte Valentin.

 

„Was machen wir eigentlich mit den ganzen Erdbeeren?“- fragte Valentin auf dem Nachhauseweg.

„Die Hälfte frieren wir ein!“ Ina hatte sofort tausend Ideen. „Daraus machen wir ein leckeres Sorbet! Aus den frischen mache ich die himmlische Erdbeer-Joghurt Torte und…“

„Ina! Ich möchte eine Erdbeertasche haben!“ unterbrach sie die Baronin.

„Mit Zucker und Sahne…Was sagst du? Eine Erdbeertasche?“

„Ja, ein kleines Täschchen. Eine niedliche Erdbeere, die sich ganz schnell in eine praktische Einkaufstasche verwandeln kann! Ich würde sie zu diesem Kleid tragen! Am Gürtel befestigen! Für spontane Einkäufe! Was meinst du, ist das machbar?“

An diesem Abend verschwanden die Frauen im Nähzimmer und die Männer in der Küche.

♥♥♥

Und wie ist das machbar!

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